[ News › 03.2006 ]
 
Lucentis® und Avastin® - Neue Chancen in der Therapie der altersbedingten Makuladegeneration: sind Sehverbesserungen möglich?
 
 

Lucentis® (Novartis, Bülach Schweiz) ist eines von derzeit 3 Wirkstoffen einer neuen Medikamentengeneration, die als Antikörper gegen den körpereigenen Gefäßwachstumsfaktor (VEGF) in der Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) eingesetzt werden. Erstmals scheint es realistisch zu hoffen, daß durch die Anwendung von Lucentis™ nicht nur ein Stop im Fortschreiten der Makuladegeneration, sondern sogar eine Verbesserung der Sehkraft erzielt werden kann.

Wann wird Lucentis® eingesetzt?
Im Rahmen großer, multizentrischer Studien konnte nachgewiesen werden, daß alle Formen der feuchten Makuladegeneration von der Lucentis®-Behandlung profitieren.
Gegenüber dem bisherigen Behandlungsstandard - der photodynamischen Therapie (PDT) - scheint v.a. der rasche Wirkungseintritt von großem Vorteil, der Voraussetzung für die Sehverbesserungen sein dürfte. So kann parallel zum Verschluß der krankhaften Gefäßneubildungen (Neovaskularisationen) ein sofort einsetzendes Abschwellen der Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen) in der Makula erzielt werden. In wie weit die Durchblutung der Aderhaut als Nebeneffekt verbessert wird, bleibt noch unklar. Bislang konnte allerdings kein Nachweis erbracht werden, daß die große Zahl der trockenen Formen der Makuladegeneration von der Anti-VEGF-Therapie (zB. Lucentis®-Behandlung) profitieren.

Wie wird Lucentis® eingesetzt?
Lucentis® kann in Form von Augentropfen nicht ausreichend im Bereich der erkrankten Makula wirken. Lucentis® muß deshalb nach Tropf-Betäubung des Auges mit einer winzigen Nadel in das Auge eingebracht werden (intravitreale operative Medikamentenapplikation, kurz IVOM). Dafür sind bereits weniger als 0,1ml Lucentis® (kaum mehr als ein Wassertropfen) ausreichend.
Nach einem Intervall von 4 bis 6 Wochen kann es sinnvoll sein, die Behandlung zu wiederholen, um eine Nachhaltigkeit der Lucentis®-Wirkung zu erzielen. Nach den bisherigen Erfahrungen sind oft 2 bis 3 Behandlungen ausreichend.

Welche Risiken hat die Lucentis®-Behandlung?
Zunächst ist der Eingriff selbst (Medikamentenapplikation in das Auge) mit einem - allerdings sehr geringem - Risiko behaftet, weshalb dieser nur Augenchirurgen vorbehalten sein sollte. Anti-VEGF-Präparate haben bislang ein sehr gute Wirkung bei nur geringen Nebenwirkungen gezeigt, sodaß diese meist beträchtlich harmloser einzustufen sind als der mögliche Schaden durch die behandelte Augenerkrankung selbst.

Wo wird die Lucentis®-Behandlung angeboten?
Voraussetzung für die Anwendung von Lucentis® ist ein Operationssaal, der die hygienischen Voraussetzungen für diese Form der Behandlung erfüllt. Aus den Anfängen der Prüfungsphase von Anti-VEGF-Präparaten ist die Gefahr von Infektionen allen Chirurgen erinnerlich, weshalb sich ein Eingriff nur unter höchstmöglichen sterilen Bedingungen wie einem Operationssaal anbietet.
Als einzigem Augenzentrum Westösterreichs führen wir die Lucentis®-Behandlungen in der Makula-Ambulanz der Univ.-Klinik für Augenheilkunde & Optometrie in Innsbruck seit Anfang März 2006 durch.
(aktualisiert 10.01.09:) Seit Anfang 2009 wird die Behandlung auch an der Augenabteilung des a.ö. Krankenhauses Dornbirn angeboten.

Sollten Sie auf Grund Ihrer Augenerkrankung vermuten, daß Sie von der Lucentis®-Behandlung profitieren könnten, oder generell Fragen zur Behandlung haben, kontaktieren Sie uns (am Besten per email an info(at)kunze.at).

Gibt es Alternativen?
Lucentis® ist eines von 3 Präparaten aus der Gruppe der Anti-VEGF-Wirkstoffe. Ihnen allen ist gemeinsam, daß sie den bisherigen Behandlungsstandard, nämlich die Photodynamische Therapie (PDT) der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) abgelöst haben. Macugen® zeigt sich als eines der Alternativpräparate vermutlich auf Grund seiner zu selektiven Wirkung nicht so wirksam wie Lucentis®. Avastin® ist fast ident mit Lucentis® (Lucentis® ist für die Netzhaut-Passage fragmentiert und immunologisch verfeinert, ansonsten der gleiche Antikörper wie Avastin®), aber im Gegensatz zu den beiden anderen Präparaten (bisher) nicht für die Anwendung am Auge zugelassen. MIttlerweile schon mehrjährige Erfahrungen mit Avastin® können keinen therapeutischen Nachteil gegenüber Lucentis® nachweisen (Stand 06.2010), sodaß unabhängig vom Zulassungsstatus eine weltweit sehr häufige Anwendung von Avastin® zu beobachten ist, da Lucentis® ca. 60(!) Mal teurer ist als Avastin®. Spätestens hier beginnt die Diskussion, ob es noch vertretbar ist, ein für die Behandlung am Auge nicht zugelassenes Präparat wie Avastin® abzulehnen, obwohl kein Nachteil gegenüber dem im Februar 2007 zugelassenem Lucentis® ersichtlich ist und auf Grund der Preisdifferenz von fast EUR 1.500 pro Behandlung wohl nicht nur selektiven Einzelfällen (bzw. wenigen Augenzentren) vorbehalten wäre.

Kann die Anti-VEGF-Therapie auch bei anderen Augenerkrankungen hilfreich sein?
Generell scheint die Behandlung mit Anti-VEGF-Präparaten (wohlgemerkt: als injektion in das Auge) für eine große Zahl von anderen Augenerkrankungen neben der feuchten Makuladegeneration geeignet zu sein. Auf Grund der zweiarmigen Wirkungsweise (gegen Gefäßneubildungen (Neovaskularisation) sowie gegen Netzhautschwellungen (Ödeme)) ist diese Therapie nachweislich auch prädestiniert zu sein für Erkankungen wie Gefäßverschlüsse (Thrombosen), diabetische Netzhauterkrankung (mit Ödem oder Gefäßneubildung), seltenere proliferative Netzhauterkrankungen (zB Mb. Coats, Eales, Fuchs’sche Makulopathie bei hoher Kurzsichtigkeit, …), Ödemen der Makula (zB. bedingt durch juxtafoveoläre Teleangiektasien) oder bestimmte Formen von Grünem Star (Neovaskularisationsglaukom). Prüfphasen bei der Behandlung dieser Makulaerkrankungen sind teilweise schon positiv abgeschlossen, sodaß Lucentis® auch bei Gefäßverschlüssen und diabetischen Netzhautveränderungen (Makulaödem) empfohlen werden kann. Im Rahmen einer Untersuchung Ihrer Augen informieren wir Sie selbstverständlich, ob Sie von dieser Behandlung profitieren können.

(aktualisiert 06.2010)

 

 
 

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